ANOS am Ende!

„Autonome Nationalisten Oder-Spree“ geben ihre Auflösung bekannt / Scheinbare „Spreelichter“-Aktion von Neonazis im Frankfurter Stadtzentrum

„Wir die Autonomen Nationalisten-Oder Spree lösen uns auf […]“, so steht es seit dem 3. Oktober auf einer Unterseite des Internetauftritts der AN-OS geschrieben. Schon lange war es ruhig geworden um die einst so ambitionierte Neonazigruppierung aus dem Raum Eisenhüttenstadt – Frankfurt (Oder). Nun wurde offiziell, was eigentlich schon lange klar war: Die AN-OS haben sich aufgelöst und ihre Aktivitäten eingestellt. Wir als antifaschistische recherchegruppe frankfurt (oder) werten dies als Erfolg unser konsequenten Berichterstattung. An dieser Stelle wollen wir trotzdem noch einmal einen Einblick in die rechten Lebenswelten der gescheiterten AN’s geben. Genauere Informationen über die Autonomen Nationalisten Oder-Spree können der vorherigen fünften Ausgabe des recherche output entnommen werden(1).
Aktuell machen hingegen Neonazis in Frankfurt von sich reden, weil sie am 08. und am 09. Oktober mit weißen Masken verkleidet durch die Frankfurter Innenstadt liefen.

Von rechten Fussballfans zu Autonomen Nationalisten

Bei näherer Betrachtung der AN-OS wird schnell deutlich, dass eine gewisse Nähe zum Fussball- bzw. Hooliganmilieu grundleger Bestandteil der Gruppe war. So sind viele AnhängerInnen der AN-OS schon vor deren Gründung in rechten Fussball-Lebenswelten unterwegs gewesen. Ramon Wellemsen und Danny Zink haben sich dem Eisenhüttenstädter FC Stahl verschrieben und sind Anhänger des BFC Dynamo, der für seine rechtsoffene AnhängerInnenschaft bekannt ist. In Frankfurt (Oder) machen die FCV-Hooligans schon seit geraumer Zeit durch ihre rechten Umtriebe von sich reden. Bei der Unterstützung des Frankfurter Fussballvereins traten Marten Erlebach und Robert Krause schon des Öfteren in Erscheinung. Auch pflegen die Frankfurter Hools gute Kontakte zu den rechtsoffenen Fans von “Inferno Cottbus”(2) und “Crimark” (3). Es wundert also wenig, wenn entlang der Autobahn oder an Landstraßen in der Region die Kürzel wie „FCV-Zone“ und „AN-OS Zone“ nebeneinander gesprüht wurden. Auch der Militanz-Gestus und die Reisefreudigkeit, ob zu Auswärtsspielen oder Demonstrationen, ist bezeichnend für die Überschneidungen der männlichen Erlebniswelten „Fussball“ und „Autonome Nationalisten“.

Michael Meißner hat mit Repression zu kämpfen und verliert seinen Arbeitsplatz

Einzig Michael Meißner stach durch seine Querfront-Ideologie aus der sonst eher inhaltsleeren Gruppe heraus. Der Eisenhüttenstädter, der im März diesen Jahres seinen Ausstieg verlautbaren ließ (4), musste sich mittlerweile zwei Mal wegen verschiedener Delikte vor Gericht verantworten. Weil er im März 2011 bei einer NPD-Demonstration im mecklenburgischen Teterow ein Kamerateam des NDR angriff, wurde er ein Jahr später zu einer Geldstrafe von 450 € verurteilt (5). Des weiteren musste der gelernte Metallbauer sich Mitte Juni diesen Jahres wegen dem Sprühen von „AN-OS“-Parolen verantworten. Diesmal wurde er zu drei Monaten Bewährung verurteilt. In beiden Verhandlungen beteuerte er, aus der Gruppe ausgestiegen zu sein, und erhoffte sich so ein milderes Strafmaß. Einen weiteren „Ausstiegsgrund“ offenbarte er bei der Anhörung im Juli. Auf Druck seiner Freundin hin hab er sich von seinen Eisenhüttenstädter Kameraden Martin Schlechte, Danny Zink, Jeffrey Windolf und Ramon Wellemsen verabschiedet. Doch der eigentliche Auslöser für seinen Rückzieher war wohl der, dass Meißner seine Arbeit als Gerüstbauer bei einer Tochterfirma von ArcelorMittal, dem größten Arbeitgeber der Region, verlor. Die recherchegruppe machte Meißners Arbeitgeber auf seine rechten Umtriebe aufmerksam, und dieser zog dann die Konsequenzen aus den außerbetrieblichen Aktivitäten seines Mitarbeiters. Zu seinem vermeintlichen Ausstieg ist zu sagen, dieser mehr als unglaubwürdig erscheint. Weder distanzierte er sich von seiner rechten Ideologie, noch legte er die Strukturen der AN-OS offen. Außerdem war noch Monate danach der Domaininhaber der Internetseite der AN-OS.

Perspektive

Die Auflösung der Autonomen Nationalisten Oder Spree bedeutet für uns keinesfalls, dass deren AnhängerInnen und das neonazistische Umfeld sich von ihrer rechten Ideologie und Praxis verabschieden werden. Wir werden die AN’s weiterhin aufmerksam beobachten.

Neonazis kopieren „Spreelichter“ – Aktion in der Frankfurter Innenstadt

Am 8. und 9. Oktober liefen bis zu sieben Neonazis durch die Karl-Marx Straße. Dabei trugen sie Masken, die eigentlich aus den Aktionen des Internet-Phänomens „anonymous“, sowie aus dem Film „V wie Vendetta“ bekannt sind. Als eigentliches Vorbild dienen aber eher die Aktionen der sogenannten „Spreelichter“, bzw. der „Unsterblichen“. Unter dem Motto „Damit die Nachwelt nicht vergisst, dass du Deutscher gewesen bist.“ veranstaltete die in Südbrandenburg beheimatete  Neonazigruppierung mehrere nächtliche Aufmärsche mit bis zu 250 TeilnehmerInnen. Dabei trugen alle beteiligten Neonazis weiße Masken und meist auch Fackeln mit sich. Diese Aktionsform erfreute sich im ganzen Bundesgebiet hoher Beliebtheit, bot sie vermeintlichen Schutz vor Repression, sorgte für Mystifizierung und inneren Zusammenhalt der Gruppe, und es wurde der Gefahr, dass der Aufmarsch blockiert wird, aus dem Weg gegangen. Zwar wurden die Spreelichter im Juni diesen Jahres verboten, doch finden weiterhin ähnliche Aktion statt, so offenbar auch in Frankfurt. Das Ziel der Aktion, welche am darauffolgenden Tag wiederholt wurde, bleibt jedoch unklar. Und Glück hatten die maskierten Neonazis bei ihrer Premiere auch nicht und konnten ihre erhoffte Anonymität nicht wahren. Die Polizei nahm die Personalien der Neonazis auf, und sie sehen nun einer Anzeige wegen des Verstosses gegen das Versammlungsgesetzt entgegen (6). Einige der beteiligten Neonazis werden dem Umfeld der FCV-Hooligans zugerechnet.

[1] https://recherchegruppe.wordpress.com/2012/05/10/zwischen-fcv-hools-und-an-poltereien/
[2] http://www.lr-online.de/nachrichten/Tagesthemen-Verantwortung-bis-zum-Stadionzaun;art1065,3922390
[3] http://arpu.blogsport.eu/2012/05/30/gewaltromantik-trifft-auf-neonazidenken-crimark-neonazi-hools-in-rot-weis/#more-380
[4] https://recherchegruppe.wordpress.com/2012/03/09/an-os-nun-ohne-michael-meisner/
[5] http://endstation-rechts.de/index.php?option=com_k2&view=item&id=7046:angriff&Itemid=410&tmpl=component&print=1
[6] http://www.internetwache.brandenburg.de/sixcms/detail.php?id=11245571

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